Dienstag, Mai 19, 2009

Eine Lebensgeschichte

In unseren Kindern leben auch unsere Vorfahren weiter. Ich finde es ist wichtig zu wissen, wo man herkommt und was die Familiengeschichte geprägt hat. Da ich nun einen Sohn habe, der ein "Schwaben-Pontios" ist, wird er viele Geschichten aus Griechenland und Deutschland zu hören bekommen. Hier ist ein Teil von der griechischen Seite...



Mein Großvater starb lange bevor ich auf die Welt kam, daher hatte ich leider keine Gelegenheit, ihn persönlich kennen zu lernen. Meine Mutter erzählte mir seine Geschichte, die mich sehr beeindruckt hat. Das Leben und die Umstände in denen er lebte machten es ihm nicht leicht, aber er kämpfte und gab die Hoffnung nie auf.

Bevor mein Großvater nach Griechenland kam, lebte er mit seiner Familie in einem Dorf in der Region Pontos (am Schwarzen Meer), hatte eine Frau und ein kleines Baby. Sie lebten von Landwirtschaft und hatten auch Schafe.
Zwischen 1912 und 1922 fand in der heutigen Türkei die Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung von Christen statt. Insbesondere nach 1919. Hunderttausende Menschen wurden ermordet. Auch das Dorf meines Großvaters wurde Opfer der sphagi (Massaker).

Das Militär überfiel das Dorf in einer Nacht und zwang die Menschen aus ihren Betten, trieb sie aus den Häusern und trennte die Männer von den Frauen und Kindern. Die Männer wurden in die Kirche gesperrt. Später kamen die Soldaten und nahmen die Männer nach und nach in kleinen Gruppen mit. Die Männer kamen nicht zurück. Mein Großvater versuchte alle zu überreden, gemeinsam eine Wand der Kirche einzudrücken und zu fliehen, aber sie hatten Angst, getötet zu werden. Mein Großvater ahnte, dass sie ohnehin getötet werden sollten und als er selbst in einer Gruppe abgeführt wurde, gelang es ihm, sich abzusetzen. Er lief entlang der Mauer, die um die Kirche gebaut war, hinter das Gebäude und rannte davon. Er versteckte sich in den Bergen und kam am Abend wieder in das Dorf zurück.
Er fand sie auf der Platia des Dorfes. Blutüberströmte Leichen. Seine Frau und sein Kind erkannte er an der Kleidung. Alle Einwohner bis auf ihn und seinen Bruder, der sich im Kamin der Kirche versteckt hatte, waren ermordet worden.

Wer kann erahnen, was in ihm vorging? Wie kann man weiter leben? Woher schöpft man Kraft, um neu anzufangen?

Mein Großvater und sein Bruder kamen nach Griechenland. Das Leben war alles, was sie hatten, denn auf dem langen Marsch konnten sie nichts mitnehmen. Zunächst kamen sie in Flüchtlingslagern in Thessaloniki unter und später zogen sie aufs Land, wo sie sich ein neues Leben aufbauen konnten.

Mein Großvater hatte wieder geheiratet und Kinder bekommen aber wieder meinte es das Schicksal nicht gut mit ihm. Meine Großmutter erkrankte an Lungenentzündung. Er versuchte alles um sie zu retten und brauchte sein ganzes Geld auf für Ärzte, die sie aber nicht retten konnten. Sie starb. So stand er kurz vor dem 2. Weltkrieg mit vier kleinen Kindern alleine da. Der Bürgerkrieg, der danach von 1946 bis 1949 in Griechenland herrschte, brachte noch mehr Leiden in die Region. Partisanen plünderten Vorräte aus dem Haus indem sie meinen Großvater mit Waffen bedrohten oder sie zwangen ihn, mit seinem Karren Verletzte in die Berge zu transportieren. Die Polizei beschuldigte ihn, den Partisanen zu helfen und der Hauptmann wollte ihn erschießen. Mein Großvater war mutig. Er sagte zu dem Hauptmann: „Mich hat keine türkische Kugel getroffen. Soll mich eine griechische treffen? Du würdest dich auch nicht weigern den Partisanen zu gehorchen, wenn dir eine Waffe vors Gesicht gehalten wird.“ So ließ ihn die Polizei in Ruhe.

Sie mussten das Dorf einige Male verlassen und in Nachbarorten Schutz suchen. Es gab immer wieder Kämpfe in der Nähe und es war zu gefährlich. Es gab auch kaum Lehrer. Da meinem Großvater wichtig war, dass seine Kinder Bildung erhalten, zog er für einige Zeit in die nächste große Stadt, wo es noch Lehrer gab. Dort wohnten sie in einer Wohnung mit mehreren Familien, die ebenfalls vor den Kämpfen geflohen waren.

Nach dem Krieg lebten sie wieder im Dorf von der Landwirtschaft. Außerdem baute mein Großvater Steinöfen, die die Leute damals vor dem Haus stehen hatten. Er versuchte sich auch mit einem kleinen Laden, wo er Weizen, Bohnen und ähnliches verkaufen wollte, aber er war kein Geschäftsmann. Er war zu gutmütig. Die Leute ließen nur anschreiben und bezahlten nie. So gab er das Geschäft schnell wieder auf. Am Ende blieb ihnen nur ein Heft, in dem die ganzen Schulden drin standen.

Mein Großvater wurde 78 Jahre alt. Er lebt weiter in 12 Enkeln, 25 Ur-Enkeln, ...

Der 19. Mai ist in Griechenland der Gedenktag des Genozids an den Pontos-Griechen. Einen Artikel in deutsch über das Thema, habe ich hier gefunden.

Sonntag, Mai 17, 2009

Frage zu Eurovision 2009

Der Gewinner aus Norwegen... strahlt ja auch ordentlich.
Was hat er genommen und wo gibt's das?

Samstag, Mai 16, 2009

Eurovision 2009

Heute Abend findet ja wieder der Eurovision Song Contest statt. Fast hätte ich das total verpennt. Vorgestern habe ich dann zufällig im TV das Semifinale gesehen, wo auch Griechenland mit Sakis Rouvas angetreten ist. Ich hatte nicht gewusst, dass er der Interpret sein würde und als ich den Namen hörte, war ich etwas skeptisch. Aber als ich die "Performance" dann gesehen habe, war ich schon beeindruckt. Es ist kein Wow-Lied, aber der Mann hat eine Ausstrahlung, die einen umhaut. Wie kann man nur so lächeln? Da die Sendung so spät kam, bin ich nach dem Auftritt schlafen gegangen, aber er hat sich dann auch qualifiziert, wie ich später mitbekam.

Mir war auch aufgefallen, dass in der Halle direkt vor der Bühne ein Haufen griechischer Fans saß, mit Fahnen und so. Die haben aber nach jedem Auftritt, für jedes Land gejubelt. Die waren wirklich zu beneiden. Einmal um die guten Plätze und dann um die gute Laune.

Ich drücke dann fest die Daumen für heute Abend - natürlich für Greece!



Weitere Infos auf der Eurovision Seite des NDR.

Montag, Mai 11, 2009

Le-le-le-lecker


Im Café Kaiserbau am Marienplatz habe ich gestern diesen tollen Kuchen genossen. Heidelbeere-Vollkorn-Kuchen mit Sahne. Super-super-lecker. Eigentlich wollten wir Eis essen, aber sie hatten (noch) keins. Anscheinend kommt das aber bald.

Das beste Eis, das ich in letzter Zeit gegessen habe, war in der Eisdiele "Old Bridge" in der Bolzstrasse neben dem Metropol-Kino (Nähe Schlossplatz). Die Kugel Eis kostet 1 Euro, aber das ist keine normale Kugel. Da wird das Eis mit einem Spachtel in die Waffel oder den Becher gefüllt und die sparen irgendwie nicht. Eine Waffel mit zwei "Kugeln" ist so groß wie in anderen Eisdielen eine Waffel mit 5 Kugeln! Meine bisherige Lieblingssorte: Nutella!

Sonntag, Mai 10, 2009

Muttertag

Donnerstag, Mai 07, 2009

Diese Stimme

Über Georgia Dagaki habe ich schon mal hier berichtet. Sie war als Gastmusikerin beim Orfeas Peridis Konzert und hat mich total beeindruckt. Seitdem warte ich auf ihre neue Platte, die nun erschienen ist. "Secret Love" ist der Albumtitel.
Euer iPod freut sich auf diese Stimme und die Klänge der Kretischen Lyra.

Hier einer meiner Lieblingstitel: Erotokritos (Ερωτόκριτος). Bei diesem Fernsehauftritt gemeinsam mit Vasilis Papakonstantinou (Βασίλης Παπακωνσταντίνου).

Mittwoch, Mai 06, 2009

Michalis Tzouganakis



Konzert-Tipp: The Hendrix of the Lute im Quasimodo (Berlin) am 22. Mai 2009.
Tickets 22,00 € Euro

Text aus Konzertankündigung auf www.quasimodo.de:
"Michalis ist gerade zwei Jahre alt, als er die Laute seines Bruders in die Hände nahm und hat sie seitdem nie wieder losgelassen.
Kniend und das Instrument mit dem Kinn gestützt, wurde die Laute (gr.Laouto) sein Lieblingsspielzeug.
Verzaubert hörte er die Töne, die er durch stundenlanges Zupfen der Saiten produzierte.
Heute ist Michalis Tzouganakis der beste Lauotospieler Griechenlands und hat das kretische Lied vielfältig variiert, nicht nur durch seine individuelle Interpretation der Lieder, sondern auch durch hinzufügen moderner Töne, ohne das traditionelle Element zu verzerren und verleiht ihm damit eine andere musikalische Dimension.
2007 nahm Ihn George Dalaras mit auf seine Deutschlandtour und der junge Kretaner spielte und sang sich sofort in die Herzen der Zuschauer.
Ihn live auf der Bühne zu erleben ist ein Genuss, die Art -aber vor allem die Geschwindigkeit mit der er sein Instrument beherrscht ist genial.
Endlich gibt der "Hendrix des Laouto" sein erstes Konzert in Berlin und wird natürlich von hochkarätigen Musikern unterstützt!
Übrigens sein größter Hit ist der Song "pali, pali" den auch Manolis Lidakis singt!"

Dienstag, Mai 05, 2009

3 o'clock again

Klar kann ich morgens bis 10 Uhr ausschlafen... aber ich würde lieber zwischen 2:30 Uhr und 5:30 Uhr schlafen. Mein Junior schläft tief und ich liege hellwach im Bett. Dann stelle ich jedes Mal, wenn ich auf die Uhr sehe fest, dass wieder eine Stunde vergangen ist. Zum Glück kommt das nicht jede Nacht vor.

Freitag, Mai 01, 2009

Tag der Arbeit

Heute am 1. Mai ist der Tag der Arbeit. Ursprung sind die Vorkommnisse vom 1. Mai 1886 in Chicago, als Fabrikarbeiter ihre tägliche Arbeitszeit von 12 auf 8 Stunden reduzieren wollten und hierfür streikten und demonstrierten. Es kam zu blutigen Ausschreitungen. Hier nachlesen!

Den Job, den ich von August 2007 bis Dezember 2008 gemacht habe, hätten sich eigentlich 3 oder 4 Leute teilen müssen. Ich habe in meinem ganzen Leben nicht unter so einem Druck gearbeitet. Auch nicht, als ich einmal in der vorlesungsfreien Zeit am Fließband eines Automobilherstellers 6 Wochen lang gejobbt habe. Rationalisierung gibt es also nicht nur bei körperlicher Arbeit.

Die meisten Leute, die ich kenne jammern über ihren Job. Entweder es ist zu viel oder es ist schlecht bezahlt, wobei selbst sehr hoch bezahlte Angestellte unzufrieden sind. Es liegt nicht am Geld. Es ist die Tätigkeit oder es sind die Randbedingungen. Trotzdem unternimmt man nichts dagegen. Man kann nicht. Man braucht die Kohle um sein Leben zu finanzieren. Man ist abhängig. Essen, Miete, Kleidung als Grundbedürfnisse. Mobilität, Urlaub, Luxusware u.v.m. als zusätzliche Bedürfnisse.

Beim Grübeln darüber ist mir aufgefallen, dass unsere Gesellschaft nur durch den Konsum funktioniert. Den Konsum von Waren, die man vielleicht nicht unbedingt benötigt. Ich meine man könnte z.B. auch noch 10 Jahre länger mit seinem Auto durch die Gegend fahren. Statt dessen wird mit der Umweltprämie der Kauf von neuen Autos gesponsert, um die Produktion anzukurbeln. (Die haben aber vergessen als Bedingung den Kauf von deutschen Autos zu machen. So kurbelt man eigentlich die Wirtschaft im Ausland an. Aber das ist ein anderes Thema.)

Na jedenfalls bin ich auf das hier gestoßen: Die Demo am 2. Mai zum V. Internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen. Und hier ein paar Leute, die erklären, wieso sie lieber da hin gehen würden, anstatt heute für Arbeit zu demonstrieren. (Ist ganz interessant, geht etwas über 9 Minuten. Danach kann man in Ruhe Würstchen grillen gehen.)